Vermummt und eingerüstet hat er sich von seiner einst stolzen Warte das bunte Treiben da unten, in den Niederungen der sogenannten Skyline, angesehen, und sich mit einem Kloß im Hals gedacht, dass sich der natürliche Gang der Dinge am Ende doch ganz schön schlimm anfühlt. Die eitlen, neumodischen glasverblendeten Plattenbauten da unten, in der Senke am Fluss, lassen sich mit einem Festival feiern, beklettern und begaffen, von Feuerwerk in der Nacht grotesk illuminieren um sich selbstverliebt gegenseitig zu bespiegeln, als Sandbanken am Boden nachgebaut, damit auch die Halsstarrigen studieren können, was es mit der vermeintlichen Transparenz so auf sich hat.
Allein im Dunkel mit verbundenen Augen hat er das Samstag Nacht mit durchgedrücktem Kreuz angesehen, sich grauen Regen und am liebsten sogar Nebel gewünscht, damit er da hinten, am Horizont von Sachsenhausen, wenigstens am Sonntag nicht dabei zusehen muß, wie sie alle ohne ihn feiern und ihn schon ganz vergessen haben, obwohl er ja noch da ist, und sich insgeheim über den einen oder anderen letzten Besucher gerade dieses Wochenende gefreut hätte. Ein altes Paar vielleicht, dass damals, jung und glücklich, bei Ihm, dem stolzen Wahrzeichen, Hochzeit hinter den begehrten Fenstern mit Blick über die ganze Stadt bis zum Taunus hinauf gefeiert hat. Damals, als er der Höchste und Größte der ganzen Stadt war, da hatte er keine Festivals nötig, kommen durften alle und immer, aber auf die Wartelisten, auf die ist er heute noch stolz. Nicht für zwei Tage, sondern für alle Tage im Jahr mußte man sich gedulden. Geduld braucht nun nur noch er, mit den Maschinen und Menschen die ihn Stück für Stück abtragen, die geschredderten Reste dann in Asphalt und neuen Oberflächen anonym verteilt. Und nun, im letzten Regen in die Ferne schweifend denkt er sich, dass sein Hochmut in jungen Jahren ihm die heutige Trübsal verdient hat, wenn er sich doch standhaft gegen das Spektakel der Sprengmeister mit letztem Erfolg gewehrt hat. Erschütternd nur die Schallwellen in seinem Bauch:
Overgrown. I Am Sold. Life Round Here. Take a Fall For Me. Retrograde. Voyeur. To the Last. James Blake im Mai 2013 aus einem einsamen, gewaltigen Lautsprecher im entkernten Silo.
Bye bye Henninger.
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. / TrackBack URI